Vor dem Branden Tor

Auf Spurensuche in Berlin

Angelique und Anja wurden kurz nach dem Fall der Mauer geboren. Angelique in Reinickendorf, im tiefsten Berliner Westen. Anja im Osten, Leipziger Straße, kaum 300 Meter vom ehemaligen Mauerstreifen entfernt. Beide werden momentan im InterContinental Berlin zu Restaurant-Fachfrauen ausgebildet. Spielt es heute noch eine Rolle, ob man aus Berlin-Ost oder Berlin-West stammt? Die Antwort von Angelique und Anja kommt unisono: "Nöö." Warum auch? Die Mauer ist weg. Geschichte.

Die Spuren der Mauer sind beinahe restlos getilgt. Zu sehr litten die Berliner an dieser offenen Wunde, zu groß war der Wunsch nach schneller Heilung, um das horrible Bauwerk aus Betonquadern, bestückt mit Scheinwerfern, Wachtürmen, Minenstreifen, Wachhunden und Stacheldraht, auch nur eine Sekunde länger im Stadtbild zu dulden.

Anja wuchs nur wenige hundert Meter entfernt vom Checkpoint Charly auf, dem berühmtesten Grenzübergang Berlins. „Unglaublich, wie viele neue Häuser seitdem hier gebaut wurden“, sagt sie. Vor allem in der angrenzenden Friedrichstraße sprudelt das Leben wie nie. Sie hat den Ku’damm als Gravitationszentrum der Hauptstadt abgelöst. Luxusmarken wie Hermès, Louis Vuitton und Escada verkaufen Tür an Tür, die Newton Bar quillt abends über, das Bocca di Bacco gehört zu den angesagtesten Italienern der Stadt

 

Stand das Brandenburger Tor zu Zeiten der Mauer
im Osten oder im Westen?

Ein Blick auf den Asphalt bringt die Antwort. Beinahe unbemerkt schlängelt sich eine Linie aus kleinen, in die Fahrbahn eingepassten Steinen die Straße entlang. Sie markiert den Verlauf der Mauer. Die stand auf westlicher Seite vor dem Berliner Wahrzeichen. Darum rief US-Präsident Ronald Reagan hier, die Mauer im Rücken, 1987 den berühmten Satz: „Mister Gorbatschow – open this gate!“.

Gleich um die Ecke, am Spreeufer hinter dem Reichstag, trifft sich neuerdings tout Berlin im Grill Royal. Ein Steak-Restaurant, künstlerisch eingerichtet, mit magnetischer Wirkung auf die Hautevolee der Hauptstadt. Hier werden Anja und Angelique lebendig. Nicht wegen des Grill Royal, sondern wegen der Nähe zum Zentrum des Young Life Berlin – der Alexanderplatz, kurz Alex. Rundherum tummelt sich die Szene, oft nur zwei bis drei S-Bahn-Stationen entfernt. Die beiden empfehlen: Weekend, Bar 25, Watergate, Berghain mit Panoramabar, Maria oder die Kulturbrauerei.

An der Bernauer Straße öffnet sich der Mauerpark. Sanft geschwungene Grashügel, Bäume, Büsche. Die Idylle trügt – dieser Park war einst der Todesstreifen. Oben auf dem Hügel steht ein Rest der Mauer, bunt bemalt. Macht die Gegenwart der Geschichte beklommen? Anja und Angelique schütteln den Kopf. Nein. Die Mauer ist weg. Und für junge Berliner wie Anja und Angelique war sie eigentlich nie da. Berlin ist heute. Berlin ist farbenfroh und lebendig. Hier dürfen, nein müssen die Haare etwas bunter sein, die Musik lauter, der Ton kecker, die Ansprache direkter, die Gefühle tiefer. Berlin ist ein Star.

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EZ ab 162,– EUR
DZ ab 189,– EUR

(Preis pro Zimmer und Nacht inkl. Frühstück. Der Preis kann je nach Anreisedatum variieren, da er sich nach Angebot und Verfügbarkeit versteht und mit limitierten Kontingenten hinterlegt ist.)