InterContinental Life
Felix Vogel - Kurator der Bukarest Bienale 2010 © Bukarest
Biennale
Die Bukarest Biennale 2010
Die Bukarest Biennale 2010 wartet mit einer Überraschung auf: Ihr deutscher Kurator ist erst 23 Jahre alt. Und er hält nichts von den herkömmlichen Biennalen. Gelingt ihm eine attraktive Fortentwicklung?
Das Wort „Biennale“ taucht inzwischen so häufig im Zusammenhang mit Kunstausstellungen auf, dass es praktisch ein Synonym dafür geworden ist. Doch hat das Wort eigentlich gar keine künstlerische Konnotation, denn aus dem Italienischen übersetzt, bedeutet es, abgeleitet von „Biennium“, schlicht „alle zwei Jahre“. Diesen Ausdruck für Ausstellungen moderner Kunst verdankt die Kunstwelt dem Dichter Riccardo Selvatico, der ihn allerdings nicht in dieser Funktion sondern 1893 als Bürgermeister von Venedig mit erfand.Es verwundert also nicht, wenn auch die rumänische Hauptstadt, Bukarest, ihre „Bukarest Biennale“ hat, kurz „BB“. Die erste fand im Jahr 2005 als „BB1“ statt, nun, 2010, ist es die „BB4“.
Das erste Erstaunliche ist schon das Motto von „BB4“. Es lautet „Handlung“. Und zwar genau so. Keine englische Übersetzung, keine rumänische – Handlung. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Organisatoren der „BB4“ einen deutschen Kurator gesucht haben. Und das ist die zweite dicke Überraschung: Sie wählten den in Berlin lebenden Felix Vogel. Erforscht der Kunstinteressierte dessen Biografie, stellt sich ungläubiges Staunen ein – kann das stimmen? Felix Vogel ist Jahrgang 1987, heute mithin erst 23 Jahre alt! Berufen wurde er aber bereits vor zwei Jahren, da war er 21. Die Organisatoren stellen dazu schlicht fest: „Mit seiner Berufung zum Kurator ist Felix Vogel vermutlich der jüngste Kurator einer Biennale aller Zeiten …“
Vogel selbst sieht das locker. Auf die Frage, ob Alter, Generation und das Fehlen eines künstlerischen Erbes ihn beeinflussen, antwortete er: „Ich vermute, die Tatsache, dass mir ein künstlerisches Erbe fehlt, war genau der Grund für meine Berufung als Kurator. Ich bin weniger ,kontaminiert‘ durch das Kunstsystem, ich verstehe das als produktive Chance, verschiedene Annäherungen an eine solche Ausstellung prüfen zu können …“
Sein Konzept für „BB4“ ist, vereinfacht gesagt, die Interaktion zwischen der Kunst im öffentlichen Raum und seinem urbanen und politischen Kontext in Bukarest zu intensivieren. Darum werden nicht nur Künstler, sondern auch Anthropologen, Architekten und Politiker zur Teilnahme eingeladen. Obendrein findet die Biennale nicht an einem zentralen Ort, sondern an verschiedenen Plätzen in Bukarest statt, unter anderem in einer Bankfiliale, dem Institut für Politikforschung und dem Geologischen Museum. Kunst wird also bewusst aus dem musealen oder galeristischen Ghetto heraus und in den öffentlichen Raum transportiert, um auf diese Weise Reaktionen auszulösen.
Unter den Teilnehmern sind zum Beispiel der Fotograf Ion Grigorescu oder die holländische Aktionskünstlerin Nicoline van Harskamp, die in ihrer künstlerischen Vergangenheit beide das Thema „Überwachung“ im Sinne von Kontrolle der Öffentlichkeit visualisiert haben. Aus Deutschland kommt Christine Meisner, die sich in Installationen, Videos und Zeichnungen mit Prozessen beschäftigt, die durch den Kolonialismus besonders in Afrika ausgelöst wurden.Zum Begriff „Biennale“ hat Kurator Felix Vogel übrigens ein gespaltenes Verhältnis – er hält eine Neudefinition für angebracht und wagt sich weit vor: „Natürlich ist die Idee der Biennale, wie sie in Venedig begann, mit ihrer nationalistischen und mehr oder weniger wettbewerbsorientierten Ausrichtung als einziger Platz für zeitgenössische Kunst nicht mehr zeitgemäß …“ Ob Vogel eine attraktive Weiterentwicklung gelungen ist, muss er mit seiner „BB4“ beweisen.
Termine
Bukarest Biennale 2010
bis 25. Juli 2010
www.bucharestbiennale.org
InterContinental Bukarest Tel.: +40 21 310 20 20
InterContinental Bukarest