InterContinental Life

Koeln hat die Kurve gekriegt

Köln hat die Kurve gekriegt

Die Kunstmesse ART COLOGNE hat sich mit einem neuen Konzept erfolgreich gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Das Angebot ist erstklassig – und dabei manchmal auch bewusst schräg.

Ein Mann liegt im Eingang, schwarz, als sei er verkohlt. Immer wieder bleiben Besucher stehen, betrachten die Szenerie neugierig, fasziniert. Der Mann ist nicht echt, er ist eine Skulptur des Bildhauers Stefan Balkenhols – der „Gefallene Ikarus“. Aber er tut seine Wirkung: Schon beim Eintreten wussten die Besucher der ART COLOGNE (2009), dass sie hier etwas Besonderes erwartet.

Die ART COLOGNE ist seit 44 Jahren eine Institution in der Kunstwelt. „Auf der ART COLOGNE wurde so ziemlich jeder prägende Kunst-Trend der 70er, 80er und 90er Jahre in Deutschland eingeführt“, sagt Dr. Martin Tschechne, Herausgeber des Magazins „Weltkunst“. Die durchschlagende Idee, nicht nur Kunstwerke zu zeigen, sondern sie zugleich auch zum Kauf anzubieten, hatten der Berliner Galerist Rudolf Zwirner und sein Branchenfreund Hein Stünke. Um jungen Künstlern ein Forum zu schaffen und zugleich den Kunsthandel zu beleben, veranstalteten sie 1967 den ersten „Kölner Kunstmarkt“ und landeten einen Riesenerfolg: 15.000 Besucher, eine Million Mark Umsatz. Sieben Jahre später übernahm die Koelnmesse GmbH die Organisation der zu diesem Zeitpunkt „Internationaler Kunstmarkt“ genannten Messe. In diesem Jahr findet die 44. ART COLOGNE statt (21. bis 25. April 2010).

Der Wettbewerb ist knallhart. Ähnliche Messen in Basel (edel) und Berlin (junges Publikum) bedeuten harte Konkurrenz für Köln und für kurze Zeit hatte es den Anschein, als hätte die ART COLOGNE das Nachsehen. Zu beliebig sei die Auswahl, lautete der Vorwurf, bedeutende Galeristen blieben weg. Das hat sich gründlich geändert. Ein neues Konzept überzeugte die skeptischen Kunsthändler. Im Jahr 2009 kamen schon wieder 30 Galerien mehr als im Vorjahr, für 2010 haben sich die Großen der Branche angekündigt. „Köln hat die Kurve gekriegt“, bescheinigte ein Galerist der Messeleitung in der „Kölnischen Rundschau“.

Die Entwicklung macht Hoffnung. Trotz Wirtschaftskrise kamen mehr Besucher (rund 57.000), und auch die Verkäufe liefen besser als erwartet. So wechselte das Pop-Art Werk „Red Ending“ von Tom Wesselmanns für 450.000 Euro den Besitzer, Ernst Wilhelm Nays „Spirale in Blau“ war einem Besucher 335.000 Euro wert. Einige Galeristen, so berichtete „Zeit Online“, hätten die Beobachtung gemacht, dass die Werke der Klassischen Moderne in Zeiten schwankender Aktienkurse durchaus als alternative Wertanlage geschätzt werden. Der „Gefallene Ikarus“ wurde übrigens auch verkauft – für 260.000 Euro.

Innerhalb der Messe bietet die ART COLOGNE einen Marktplatz für die ganz junge Avantgarde, den „Open Space“. Im Jahr 2009 war hier zum Beispiel eine Staub-Ausstellung zu sehen – Staub aus dem Wäschetrockner, vom Fensterbrett, vom Sofa, in kleinen Schaukästen gesammelt, akkurat beschriftet wie eine Insektensammlung. Oder farbig glänzende Metallskulpturen, die der Künstler eigenhändig eingedellt hat, um ihnen auf diese Weise ein eigenes „Gesicht“ zu geben. Die Messe selbst leistet sich selbstbewusst eine Portion Ironie beim Umgang mit den teils bewusst provokanten Neuschöpfungen – wohl wissend, dass sich unter den Neulingen mit ziemlicher Sicherheit auch Stars von morgen befinden. So fragte eine Moderatorin zu Beginn eines Hörfunkbeitrags der Kölner Messe keck: „Wer stellt sich denn so was in die Wohnung?“

InterContinental Köln Tel.: +49 (0)221 28 06 0
www.koeln.intercontinental.com

 

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