InterContinental Life
Ich ist eine andere
Das InterContinental Wien zeigt eine spektakuläre Fotoausstellung der Aktionskünstlerin Irene Andessner: „Wiener Frauen“.
Lise Meitner war eine großartige Wissenschaftlerin. Gemeinsam mit Otto Hahn legte sie die Grundsteine zur modernen Atomphysik, sie prägte den Begriff „Kernspaltung“ und sie weigerte sich, ihr umfassendes Wissen für den Bau einer Atombombe einzusetzen. Den Nobelpreis bekam sie nicht – den erhielt nur Otto Hahn. Ein Porträtfoto zeigt die in Wien geborene Lise Meitner rauchend, versonnen blickt sie an der Kamera vorbei. Auch Bertha von Suttner war eine großartige Frau. Sie arbeitete als Sekretärin von Alfred Nobel und inspirierte ihn durch ihren kompromisslosen Pazifismus zur Stiftung des Nobelpreises – den sie später für ihr Engagement gegen Gewalt und Krieg selbst erhielt. Auch sie wurde in Wien geboren. Auch sie ist auf einem Porträtfoto zu sehen – eine streng blickende Matrone im Rüschenkleid.
Der österreichischen Künstlerin Irene Andessner haben es diese – und andere – starke Wiener Frauen angetan. Andessner konzentriert sich seit Langem auf die Kunstform des Selbstporträts, wobei sie dabei immer wieder in verschiedene Rollen schlüpft und diese auf Fotos oder in Videos verkörpert. Ihr Motto ist dabei die von Arthur Rimbaud geprägte Formulierung „Ich ist eine andere“.
Bekannt wurde sie, als sie in ihrem Projekt „I.M. Dietrich“ so weit ging, dass sie einen Mann mit dem Nachnamen Dietrich heiratete, um die Identität der großen Schauspielerin auch im Namen anzunehmen. „Der Grat zwischen Selbstinszenierung und Rollenspiel ist schmal; Irene Andessner beherrscht beides meisterlich. Beobachtet man sie am Set, so erkennt man nicht genau, ob sie noch eine Figur spielt, oder ob sie dieselbe in diesem Augenblick lebt“, heißt es in einem Artikel der Zeitschrift „Eikon“, die sich mit Themen der Fotografie und Medienkunst beschäftigt. Ihre Produktionsfirma nannte sie konsequenterweise „I am“ – übersetzt „ich bin“.
In ihrer Fotoserie „Wiener Frauen“ verkörpert Irene Andessner elf weibliche Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Vorbilder waren originale Porträtfotos der Frauen, die sie in den neuen Fotografien Fotografien nachstellte. Ihre Motivation: Die Aktion sollte diese Frauen wieder in das öffentliche Gedächtnis zurückholen, sie wollte sie – Zitat – „wiederveröffentlichen“. Dafür wählte sie neben Lise Meitner und Bertha von Suttner auch Marianne Hainisch (Frauenrechtlerin, Initiatorin des Muttertags in Österreich), Bertha Pappenheim (legte zusammen mit Sigmund Freud den Grundstein zur Psychoanalyse), Katharina Schratt (Schauspielerin, Geliebte von Kaiser Franz Josef), Alice Schalek (Journalistin, erste weibliche Kriegsberichterstatterin), Emilie Flöge (Modeschöpferin, Muse des Malers Gustav Klimt), Gina Kaus (Schriftstellerin und Dichtermuse), Margarete Schütte-Lihotzky (Architektin, Vorkämpferin des sozialen Wohnungsbaus), Irene Harand (Widerstandskämpferin) und Hedy Lamarr (Schauspielerin und Erfinderin, legte den Grundstein für WLAN und Bluetooth).
Im Jahr 2008 gelang es ihr, diese Frauenbilder auf der größtmöglichen Ausstellungsfläche Wiens zu zeigen: in 400 Citylight-Kästen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind und sonst für Werbeplakate genutzt werden.
Nun nimmt sich auch das InterContinental Wien dieses außergewöhnlichen Projekts an. 2010 werden die „Wiener Frauen“ in der neuen Lounge des Club InterContinental zu sehen sein. Zugleich bietet das Hotel „Insider-Packages“ an, die unter anderem Stadtrundgänge auf den Spuren der von Irene Andessner thematisierten Protagonistinnen enthalten. Zum Beispiel nach Wien-Leopoldstadt, Heinestraße Nummer 27. Dort wurde Lise Meitner geboren.
InterContinental Wien Tel.: +43 (0)1 711 22 0
www.vienna.intercontinental.com